15.11.2017 Mohamed Ghazi

Uiguren in Syrien – Gefahr für Chinas „neue Seidenstraße“


Die Islamische Turkestan-Partei in Syrien.

Die Islamische Turkestan-Partei in Syrien.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat Auswirkungen auf den jahrzehntelangen Konflikt zwischen China und den Uiguren - die größte turksprachige Ethnie im ostchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang - und erhält durch die geplante Seidenstraße „One Belt, One Road“ eine größere Brisanz. Damaskus spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle in der „alten Seidenstraße“; die Chinesen möchten mit ihrer „neuen Seidenstraße“ Syrien eine ähnliche Rolle zuteilen. Sowohl China als auch Syrien sind sich durchaus bewusst, dass dieses Projekt nur mit Beendigung des Krieges gelingen kann.

Die hohe Anzahl fremder Kämpfer im Syrien-Krieg war allgemein bekannt, jedoch setzten sich laut Angaben des US-amerikanischen investigativen Journalisten Seymour Hersh im Jahr 2013 neue Akteure durch. Hierbei handelte es sich um Uiguren, die sich Hersh zufolge mit ca. 5.000 Kämpfern extremistischen Gruppierungen jenseits der türkischen Grenze anschlossen.

Die Türkei ist seit den 1990er Jahren verstärkt in Zentralasien aktiv. Ähnlich wie Russland, das für die Russischsprachigen als Schutzpatron agiert, erweiterte die Türkei ihr Engagement für turkmenische Minderheiten in der Region. Die türkische Unterstützung für die Bewegung „East Turkestan Independence Movement“ in China, welche die Unabhängigkeit der uigurischen Minderheit von der Zentralregierung in Peking fordert, führte zu Differenzen zwischen den beiden Staaten. Die Ankunft uigurischer Kämpfer in Syrien hat einen Konfliktpunkt in den seit dem Syrien-Krieg stark belasteten Beziehungen zwischen Damaskus und Ankara verursacht.

Die israelische Tageszeitung „Jedi’ot Acharonot“ erfuhr aus Kreisen eines Forschungszentrums des israelischen Außenministeriums, dass tausende uigurischen Kämpfer hauptsächlich sich dem syrischen Ableger Al-Qaidas, der „Jabhat Fatah as-Scham“ (vormals Al-Nusra Front), der „Islamischen Turkestan-Partei“ oder dem IS angeschlossen haben.

Die militärische Kooperation zwischen China und Syrien hat daher durch den Anstieg uigurischer Kämpfer in den Reihen extremistischer Gruppierungen zugenommen. Peking betrachtet die Uiguren in Syrien als Gefahr für seine innere Sicherheit, denn deren ausgeprägte Kampferfahrung könnte sich bei einer Rückkehr für China als Problem erweisen. Auch Peking und Damaskus schätzen, dass sich ca. 5.000 uigurische Kämpfer in den Reihen der Jihadisten befinden.

Des Weiteren berichtet die libanesische Tageszeitung „Al-Akhbar“, dass sich der größte Anteil uigurischer Kämpfer in der Idlib-Region aufhalte. Hierbei soll es sich um zwei uigurische Hochburgen handeln: Betroffen sind demnach Ihsim sowie Mara’yan, die sich beide in der Hochlandregion Jabal Zawiya in Idlib befinden.

Die chinesische Regierung stellte Syrien zur Bekämpfung der Uiguren acht Drohnen zur Verfügung. Demnach fand der syrische Geheimdienst heraus, dass Uiguren, die auf dem Schwarzmarkt TOW-Raketen (amerikanische Panzerabwehrlenkwaffen) erwarben, mit ungefähr 600 Kämpfern an den Gefechten in Hama und Aleppo beteiligt waren..

Der jahrzehntelange Konflikt zwischen China und den Uiguren - sowie die Angst vor der Rückkehr uigurischen Jihadisten - stellt nicht die einzige Sorge Pekings in Syrien dar. China, das die Planung der neuen Seidenstraße“ „One Belt, One Road“ verwirklicht, benötigt hierfür nicht nur Frieden im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang, sondern auch Stabilität in Syrien. Damaskus, das jahrhundertelang als ein wichtiger Knotenpunkt für die alte Seidenstraße galt, soll durch die „neue Seidenstraße“ erneut als ein Drehkreuz fungieren. Der wirtschaftliche Aufschwung Asiens sowie die technische Expertise Chinas lässt das Projekt „Seidenstraße“ wieder aufleben. Weiterhin handelt es sich um ein persönliches außenpolitisches Schwerpunktprojekt des Präsidenten Xi Jinping. Dieser Umstand wird dadurch unterstrichen, dass die „neue Seidenstraße“ mittlerweile sogar im Parteistatut der Kommunistischen Partei Chinas verankert ist. China, das neben Iran und Russland größter Profiteur bei der Vergabe von syrischen Wiederaufbauprojekten sein würde, wird vermutlich seinen geostrategischen Einfluss in der Region erheblich ausweiten können.

Syrien und seine Alliierten gelang es in den letzten zwei Jahren, mehrere Großstädte zurückzuerobern. Nachdem im Oktober 2017 das Bündnis die Stadt Deir ez-Zor nach mehrjähriger Belagerung durch den IS wiedereinnehmen konnte, stellt die Region Idlib die letzte Bastion dar, die nicht von der Regierung kontrolliert wird. Interessant dürfte hierbei sein, wie stark China die Offensive unterstützen wird - in Anbetracht der großen Anzahl von Uiguren, die sich dort in den Reihen extremistischer Gruppierungen befinden.


Mohamed GhaziMohamed Ghazi ist Absolvent des Masterstudiengangs „Politik und Wirtschaft des Nahen und Mittleren Ostens" der Universität Marburg.

 

 


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